1 MHz Hartley-Oszillator, Auslegung, Aufbau und Probleme

1. Vergleich der Transistor-Grundschaltungen

Merkmal Basisschaltung (Hier genutzt) Emitterschaltung Kollektorschaltung
Phasendrehung 0° (Eingang/Ausgang phasengleich) 180° (Invertierend) 0° (Phasengleich)
Eingangswiderstand Sehr niedrig (\(20-50 \, \Omega\)) Mittel (\(1-2 \text{ k}\Omega\)) Sehr hoch (\(>100 \text{ k}\Omega\))
HF-Eignung Exzellent (Kein Miller-Effekt) Begrenzt durch Kapazitäten Sehr gut (als Puffer)
Vorteil Oszillator Extrem stabil, einfache Rückkopplung Hohe Gesamtverstärkung Geringe Schwingkreisbelastung

2. System-Spezifikationen (Beispiel 1 MHz)

Design für den Transistor 2N2222 bei 9V Speisespannung.

BauteilWertFunktion
R_B1 / R_B233 kΩ / 10 kΩBasis-Vorspannung (V_B ≈ 2,1V)
R_E1,2 kΩDC-Stabilisierung (I_E ≈ 1,2mA)
C_base100 nFHF-Blockierung (Basis an Masse)
C_tank1 nFSchwingkreiskapazität
L_total25,3 μHGesamtinduktivität (45 Windungen auf 21,5mm Rohr)

3. Hartley-Oszillator Design: Common Base

Diese Dokumentation beschreibt die Auslegung eines Hartley-Oszillators mit dem Transistor 2N2222 für eine Betriebsfrequenz von 1 MHz (Beispiel) bei einer Speisung von 9V.
Gemini hat ebenfalls einen Hartley Oszillator mit 200kHz durchgerechnt. Das ist aber mit einer Luftspule nicht zu machen, da sie zu gross wird.

3.1. Arbeitspunkt (DC-Bias)

Um eine stabile Schwingung und geringes Rauschen zu gewährleisten, wird ein Kollektorstrom \(I_C \approx 1,2 \text{ mA}\) angestrebt.

Widerstandswerte:
\[ R_{B1} = 33 \text{ k}\Omega \quad (\text{gegen } V_{CC}) \] \[ R_{B2} = 10 \text{ k}\Omega \quad (\text{gegen Masse}) \] \[ R_E = 1,2 \text{ k}\Omega \] Ergebnis: \(V_B \approx 2,1 \text{ V} \Rightarrow V_E \approx 1,4 \text{ V} \Rightarrow I_E \approx 1,16 \text{ mA}\)

3.2. Herleitung: Eingangswiderstand am Emitter

In der Basisschaltung wird der Schwingkreis durch den dynamischen Emitterwiderstand \(r_e\) belastet. Dieser ist entscheidend für die Güte des Schwingkreises. Dieser Eingangswiderstand liegt parallel zur Abzapfung, d.h. dem kleineren Teil der Wicklung. Der gemeinsame HF-Massenpunkt liegt DC-mässig an Vcc wird aber über einen gutenSpeisungs-Abblockkondesnator auf GND gelegt. Dieser eher kleine Emitterwiderstand wird nun durch den als Autotransformator ausgebildete Induktivität auf den hoehen Kollektorwiderstand transformiert.

Die Temperaturspannung \(U_T\) beträgt bei Raumtemperatur ca. \(26 \text{ mV}\).
\[ r_e = \frac{U_T}{I_E} \] Für \(I_E = 1,2 \text{ mA}\): \[ r_e = \frac{26 \text{ mV}}{1,2 \text{ mA}} \approx \mathbf{21,7 \, \Omega} \] Der totale Eingangswiderstand \(r_{in}\) ergibt sich aus der Parallelschaltung mit \(R_E\): \[ r_{in} = r_e \parallel R_E \approx \mathbf{21,3 \, \Omega} \]

Herleitung: Warum ist \( r_e \approx U_T / I_E \)?

Die Basis-Emitter-Strecke des 2N2222 verhält sich wie eine Diode. Der Strom \( I_E \) folgt der Shockley-Gleichung:

\[ I_E = I_S \cdot \left( e^{\frac{U_{BE}}{n \cdot U_T}} - 1 \right) \approx I_S \cdot e^{\frac{U_{BE}}{U_T}} \]

Der dynamische Widerstand \( r_e \) ist definiert als die Änderung der Spannung bei Änderung des Stroms (die Steigung im Arbeitspunkt):

\[ r_e = \frac{dU_{BE}}{dI_E} \]

Differenzieren wir \( I_E \) nach \( U_{BE} \):

\[ \frac{dI_E}{dU_{BE}} = \frac{d}{dU_{BE}} \left( I_S \cdot e^{\frac{U_{BE}}{U_T}} \right) = \frac{1}{U_T} \cdot \underbrace{I_S \cdot e^{\frac{U_{BE}}{U_T}}}_{I_E} = \frac{I_E}{U_T} \]

Bilden wir den Kehrwert, erhalten wir den dynamischen Widerstand:

\[ r_e = \frac{U_T}{I_E} \]

Bei \( T = 25^\circ\text{C} \) ist \( U_T \approx 26\text{mV} \). Für deinen Arbeitspunkt von \( 1,2\text{mA} \) ergibt sich:

\[ r_e = \frac{26\text{mV}}{1,2\text{mA}} \approx \mathbf{21,7\,\Omega} \]

3.3. Schwingkreis (Tank Circuit) für 1 MHz

Unter Verwendung eines Kondensators \(C = 1 \text{ nF}\) berechnet sich die erforderliche Gesamtinduktivität \(L_{total}\):

\[ f_0 = \frac{1}{2\pi\sqrt{L \cdot C}} \Rightarrow L = \frac{1}{(2\pi f_0)^2 \cdot C} \] \[ L = \frac{1}{(2\pi \cdot 10^6)^2 \cdot 10^{-9}} \approx \mathbf{25,3 \, \mu\text{H}} \]

3.4. Überlegungen zum L/C-Verhältnis & Impedanz

Das Verhältnis von \(L\) zu \(C\) bestimmt den Kennwiderstand \(Z_0\) des Schwingkreises:

\[ Z_0 = \sqrt{\frac{L}{C}} \quad \text{und die Resonanzimpedanz } R_p = Z_0 \cdot Q \]

Hohes L/C-Verhältnis (Viel L, wenig C):

Niedriges L/C-Verhältnis (Viel C, wenig L):

Design-Entscheidung: Bei 1 MHz wählen wir \(C = 1 \text{ nF}\). Dies ergibt \(Z_0 \approx 159 \, \Omega\). Bei einer Güte von \(Q=50\) resultiert eine Kreisimpedanz von ca. \(8 \text{ k}\Omega\).

3.5. Stabilitätsgrenze & Schwingabbruch

Die Schwingung bricht ab, wenn die Bedingung \( A \cdot k \geq 1 \) nicht mehr erfüllt ist. Dies passiert meist durch eine zu starke Belastung des Schwingkreises (Dämpfung).

Kritische Betriebsgüte: \[ Q_{eff} = \frac{R_{p,parallel}}{\omega_0 L} \] Fällt \( Q_{eff} \) durch die Last am Emitter unter ca. 10, bricht die Selektivität zusammen und die Schwingung reißt ab.

Gefahrenpunkt: Ein zu großes Windungsverhältnis der Rückkopplung (Anzapfung zu weit oben) transformiert den niedrigen Emitterwiderstand (\(22 \Omega\)) direkt in den Kreis und schließt diesen HF-technisch kurz.

3.6 Theoretische Grundlagen

Die Basisschaltung verstärkt die Spannung ohne Phasendrehung (0°). Die Schwingung entsteht durch die induktive Rückkopplung der angezapften Spule vom Kollektor zum Emitter.

Berechnung der Leerlaufverstärkung: \[ A_u = \frac{R_{L,eff}}{ r_e} = \frac{7950 \Omega}{21.7 \Omega} \]

3.7 Zusammenfassung der Design-Regeln

  • Basisschaltung: Hohe Spannungsverstärkung \( A_u = R_p / r_e \), keine Phasendrehung.
  • Rückkopplung: Die Spule transformiert die hohe Kollektorimpedanz auf die niedrige Emitterimpedanz (\( \approx 22\,\Omega \)).
  • Schwingabbruch: Sinkt der Strom \( I_E \), steigt \( r_e \), wodurch die Verstärkung sinkt, bis die Schwingung abreißt.

3.8 Physikalische Parameter & Berechnung

Ändere die Windungszahl oder den Durchmesser, um zu sehen, wie sich die Induktivität \(L\), der Kennwiderstand \(Z_0\) und die Schwingfähigkeit automatisch anpassen.

Initialisierung...

Berechnung der Induktivität mittels Wheeler-Formel: \( L[\mu H] = \frac{N^2 \cdot r^2}{9r + 10l} \)

3.9. Herleitung der Impedanzen

4. Schaltplan (Prinzip)

Schema Hartley Oszillator

Hartley Oszillator

4. Spulendesign (Luftspule auf 21,5 mm Rohr)

Um eine hohe Güte (\(Q\)) zu erreichen, wird ein Einlagendesign mit optimiertem Wickelverhältnis gewählt.

Parameter Wert
Rohrdurchmesser (\(D\)) 21,5 mm
Drahtdurchmesser (\(d\)) 0,5 mm Kupferlackdraht
Gesamtwindungszahl (\(N\)) 45 Windungen
Anzapfung (für Emitter) nach 6 Windungen (von Masse)
Wickellänge (\(l\)) ca. 21 - 22 mm

Optimierungshinweise:

Nützliche Links